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Im Heute glauben – Dem Heiligen begegnen, heute Gott verehren – Am 13. und 14. September 2013 fand in Stuttgart der Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz statt. Er begann im Jahr 2010 und endet 2015. Liturgia ist das Thema in diesem Jahr. Neben zahlreichen Erzbischöfen, Bischöfen, Weihbischöfen, Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Angestellten aus dem Liturgiereferat, Vorständen des Diözesanrates, des BDKJ, des SkF, des ZDK usw. durfte ich, als einfache Gottesdienstbeauftragte aus Sömmersdorf, an dieser Tagung teilnehmen.

Im Vorfeld konnte ich schon „Mein wichtigstes Anliegen in Bezug auf das Jahresthema der Begegnung mit dem Heiligen …“  per Postkarte an die Verantwortlichen schicken.
Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf den Weg nach Stuttgart. War ich dieser Aufgabe gewachsen, konnte ich mich bei den Gesprächsforen beteiligen,  oder reichte  mein theologisches Verständnis dafür nicht aus? Nach der Registrierung beim Ankommen im Maritim Hotel war mir klar, dass ich hier wirklich der einzige „Normalchrist“ war. Neben hohen Würdenträgern, Professoren und Doktoren, gab es mich als einfache Gottesdienstbeauftragte. Wobei ich mich nicht unwohl fühlte in diesem Kreise, da es alles nur Menschen mit der gleichen christlichen Orientierung waren wie der meinen. Unwohl fühlte ich mich nur auf dem Weg zu meinem Zimmer. Das lag nämlich im 8. Stock und war nur mit dem Aufzug zu erreichen, den ich normalerweise nie benutze. Da ich aber bei jeder Fahrt von geistlichem Beistand umringt war, schaffte ich auch dies.

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch begrüßte die 300 Teilnehmer und feierte mit uns eine Sext (Mittagsgebet). Im Anschluss übernahmen zwei Moderatoren den weiteren Gesprächsverlauf. Als Lotsen des Prozesses sollten sie uns helfen, die Dialogtage zu gestalten. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verantwortlichen hier aus  ihren eigenen Ressourcen geschöpft und zum Beispiel Mitarbeitern aus dem Liturgiereferat diese Aufgabe übertragen hätten. Kompetenter wären sie sicher gewesen.

Gemeinsames Ankommen gestaltete sich so, dass wir uns mit unserem Stuhlnachbarn austauschten, wie wichtig für einen selbst Liturgie ist. Wie wir der Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität begegnen können, überdachten wir als weiteren Einstieg in das Thema. Viele Wortmeldungen, die bereits an dieser Stelle den ganzen Zeitplan durcheinander brachten, folgten. Wobei hier wirklich Dialog geschah: Es wurde offen und ehrlich ausgesprochen, was vielen auf dem Herzen liegt/lag:


- Liturgie umfasst nicht nur die Eucharistiefeiern, sondern auch Andachten, Anbetungen, Wallfahrten,  Taizégebete, Segnungsgottesdienste, Zeiten der Stille, Wortgottesfeiern, etc.
- Gottesdienste sollten in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen angeboten werden
- Laien sollten zu mehr befähigt werden.
- Wir müssen ernst nehmen, was wir sprechen und singen.
- Wir sollten mehr Freude, Ausstrahlung,  Authentizität im Gottesdienst zeigen.
 - Liturgie sollte verständlich sein; nicht nur Worte sondern auch Symbole sollten verwendet werden    

Nun hätte nach einer Einführung von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck die erste Arbeitseinheit beginnen sollen. Aber Stop, erst noch ein geistlicher Impuls von Sr. Johanna Domek: Ein theologisches Referat zum Thema ‘Liturgia – Dialog Gottes mit den Menschen‘ mit anschl. Stille.

Die Zeit verging wie im Fluge und wir hatten noch nichts erarbeitet. Wir stiegen gleich in Arbeitseinheit II ein mit dem Thema ‘Zur Teilnahme berufen? – Die tätige Teilnahme aller Gläubigen an der Liturgie‘. Nach einer weiteren Einführung durch Bischof Dr. Franz-Josef Bode hofften wir auf die Möglichkeit, nun selbst tätig zu werden. Nachdem wir durch Losverfahren in Arbeitsgruppen eingeteilt worden waren, sollten wir uns in ein vorgegebenes Thema vertiefen. Unter der Leitfrage ‘Welche Formen der Liturgie sind für uns von besonderer Bedeutung?‘ wurde aufgeteilt in:

1. Die heilige Eucharistie
2. Vielfalt der Gottesdienstformen
3. Feier der Sakramente entlang des Lebensweges
4. Liturgie im Zyklus des Kirchenjahres
5. Beten in der Gemeinschaft
6. „Anderszeiten“ für den Glauben  

Nach so vielen Einführungsreden wollten wir endlich loslegen. Jedoch bekam jede Arbeitsgruppe zu ihrem Thema einen Fragenkatalog, der abzuarbeiten war. Ganz ehrlich: Diese schwer verständlichen, abgehobenen Fragen lähmten erst einmal das Vorankommen, wobei dies bestimmt nicht an der Kompetenz unserer Gruppe lag. Außerdem konnten wir dem ganzen nichts Neues abgewinnen. Warum darüber diskutieren, was uns eh schon bewusst war? Wir wurden uns in der Gruppe einig, dass wir die Fragen einfach Fragen sein lassen und lieber diskutieren wollten, was uns wirklich unter den Nägeln brannte.

Hätte man an dieser Stelle die Anliegen, die wir im Vorfeld per Postkarte verschickt hatten, zum Thema gemacht, wäre unser Arbeiten effektiver gewesen. Hier gab es nämlich wirklich interessante Themen wie:

- Predigtdienst für Laien in der Eucharistiefeier
- Wie feiere ich Liturgie so, dass sie lebendig wirkt und viele anspricht?
- Mehr Mut zum Aufbrechen der starren Regeln
- Verständliche und moderne Sprache in den offiziellen Gebetstexten der Kirche
- Wertschätzung der Wort Gottes Feiern
- Tätige Teilnahme von allen Gläubigen, auch von Menschen, die geschieden/wiederverheiratet sind oder von konfessionsverschiedenen Ehepaaren
- Neue Formen der Liturgie, die Jugendliche ansprechen
-  Nicht daran festhalten, dass Menschen in die Kirche kommen, sondern zu ihnen gehen

Es wäre so einfach gewesen, diese Impulse zu verwenden und diese Themen zu erörtern.
Nach einer Zusammenfassung des Erarbeiteten gingen wir etwas unbefriedigt mit dem Verlauf des Nachmittages zum Abendessen. Nach dem Essen sollte Platz und Zeit sein, noch einmal zu Wort zu kommen. Jedoch war das einfach der falsche Zeitpunkt, weil hier wirklich brisante Themen zur Sprache kamen, aber die Aufnahmebereitschaft der Teilnehmer nicht mehr da war.

Zum Abschluss des Tages fand um 21.45 Uhr in der benachbarten Kirche eine Vigilfeier mit Tauferneuerung statt. Hier hätte der leitende Bischof wirklich Barmherzigkeit walten lassen können und die Predigt einfach streichen können. Es fehlte die Flexibilität, einen festgelegten Ablauf einfach einmal zu ändern und es nach den vielen Eindrücken vom Tag einfach gut sein zu lassen. Ist das ein Spiegelbild unserer Kirche?  Schließlich endete der Gottesdienst um 23 Uhr und wir verließen alle todmüde die Kirche. Man muss bedenken, dass einige wegen der langen Anfahrt bereits seit 3.30 Uhr wach waren.

Nach einem weiteren Austausch mit den anderen Teilnehmern aus dem Bistum Würzburg fiel ich um 1 Uhr völlig übermüdet ins Bett. Schließlich musste ich um 7.30 Uhr ausgeschlafen wieder in der Kirche sein zur Eucharistiefeier. Wobei sich hier einige Lücken auftaten, was keinem zu verdenken war. Auch bei diesem Gottesdienst hätte man sich zeitlich einschränken können. Wäre der wunderbare Gesang der Schola nicht gewesen, hätte auch ich mich für ein Fernbleiben entschieden. Beim gigantischen, vielfältigen Frühstück waren wir wieder alle vereint. 

Nun konnte der zweite Tag beginnen mit einem weiteren einführenden Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx.  Bevor wir jedoch die Themen des ersten Tages noch mehr vertiefen sollten – was totale Begeisterung auslöste -  gab es harsche Kritik. Die Teilnehmer waren mit den Arbeitseinheiten nicht zufrieden: Sie wollten mehr Raum zum Reden im Plenum und für den Dialog mit den Bischöfen, brisante Themen öffentlich erörtern und echten Dialog führen. Warum hatte man nicht verschiedene Gruppen  der Kirche (BDKJ, SkF, etc.)  mit dem Ausarbeiten der Arbeitseinheiten beauftragt?  Vorwürfe, die meiner Meinung nach wirklich berechtigt waren.

Die Moderatoren ließen sich darauf ein, das Gespräch der Themengruppen zu kürzen, um anschl. noch einmal die Gelegenheit zu geben, im Plenum zu sprechen. Die relative Stille im Raum bei der weiteren Vertiefung der Themen machte deutlich, dass die vorgegebenen Themen vom Vortag wirklich ausdiskutiert waren.

Bei den Schlussworten der Teilnehmer wurde angesprochen, dass

- es bei einer Teilnahme von 300 Beteiligten zu wenige Ergebnisse gab,
- die Gespräche zu Konsequenzen führen müssen, aber nicht erst in Jahren, sondern im Jetzt,
- mehr Mitarbeit von Frauen gewünscht wird,
- das Wissen der Laien besser abgerufen werden könnte,
- der Pfarrer gemeinsam mit einem Liturgieausschuss Entscheidungen fällt.
Am Ende stand die Forderung, dass alle hier vorgebrachten Impulse nicht in Akten abgelegt werden, sondern in der nächsten Bischofskonferenz zur Sprache kommen und Lösungen gefunden werden.

Mit dem Schlusswort von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Vorsitzender der Bischofskonferenz) und einer Sendungsfeier endete meine Teilnahme am Gesprächsprozess.

Abschließend bin ich dankbar, dass sich mir die Gelegenheit bot, an diesen Gesprächen teilzunehmen. Es waren anstrengende Tage, die mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen werden. In Erinnerung bleibt mir auch das erheiternde Gespräch mit Kardinal Marx und Weihbischof Jaschke im Aufzug , die mich fragten, ob für mich auch eine Flasche Wein und frisches Obst auf dem Zimmer bereit stünden. Leider musste ich die Frage verneinen. Sie meinten daraufhin, Wein und Obst gebe es anscheinend nur für die Geistlichkeit und nicht für Laien; wenn sie das gewusst hätten, hätten sie mich eingeladen.

Sabine Nöth

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